Reduktiv statt Oxidativ

Wer ernten will muss säen. Das scheint jedem klar zu sein.

Doch mit welchem Aufwand scheiden sich die Geister. 

Nach dem Wissen das wir heute haben, ist es kaum möglich immer wieder zu säen und zu ernten und gleichzeitig das Kohlenstoffreservoire, den Dauerhumus stabil zu erhalten.

Wenn wir an der traditionellen Bodenbearbeitung und Feldbestellung festhalten, werden unsere Ackerböden schleichend verwüsten.

Aus diesen Tatsachen heraus entscheiden sich viele Landwirte auf die wendende Bodenbearbeitung, den Pflug zu verzichten. Im Biolandbau eine echte Herausforderung den flachen Wiesenumbruch und Saatbeetbereitung am Anfang der Fruchtfolge zum Gelingen zu bringen.

Seit wir den Geohobel  einsetzen, gelingt der Wiesenumbruch in den meisten Fällen in nur zwei Bearbeitungsdurchgängen inkl. kombinierter Saat. In der bereits fünf jährigen Erfahrung mit dem Geohobel wurden wir uns der reduktiven Flächenrotteprozesse bewusst. 

Mittels Glattwalzennachläufer eine Trennschicht schaffen!

Statt die vollflächig, flach abgeschnittene Grasnarbe oxidativ, (Strohfeuerartig zu  mineralisieren) vertrocknen zu lassen, schaffen wir mit dem Andrücken (Glattwalze) eine Trennschicht! Dank dieser Trennschicht bleibt die Feuchtigkeit im Erdmulchgemisch, das sofort zu rotten beginnt.

Ein reduktiver Prozess wird somit eingeleitet. Bakterien und Enzyme beginnen die Organik zu verdauen. Der durch den Sauerstoffeintrag mineralisierte Stickstoff wird gebunden (C:N Verhältniss).  

Eine Keimwelle der Stickstoffliebenden Samenbeikräuter bleibt aus!

Wurzelrückstände in tieferen Schichten karbonisieren bauen, langsam um.


Reductive Bodenbearbeitung:

  • Möglichst wenige und sehr flache Bearbeitungen.
  • Im Idealfall wird eine Kleegraswiese mit nur zwei Bearbeitungen inklusive Saat umgebrochen.
  • Genügend Feuchtigkeit und Bodenwärme, (wächsiges Wetter) zeichnet sich als Idealfall für den Umbruch ab.
  • Es braucht 10 bis 18 Tage Rotteprozess von der ersten zur zweiten Bearbeitung bezw. Saat. (Wetter-, wärmeabhängig)
  • Die Bearbeitungstiefe sollte möglichst flach gehalten werden ca. 3 cm. 
  • 1 cm Boden sind pro ha 100m2 Erde die bewegt oder eben nicht bewegt werden müssen.
  • Eine gute Durchmischung der Erde und Pflanzenrückstände ist wichtig. Die gute Durchmischung ist eine Stärke des Geohobels.
  • Bereits 7 Minuten nach der Bearbeitung beginnt g eine stark ansteigende CO2 Ausgasung und Mineralisierung.
  • Die Trennschicht mit der Walze reduziert diesen Prozess. 
  • Der mineralisierte Stickstoff wird im Ab und Umbauprozess von Pflanzenmasse verwertet. (CN-Verhältnis)
  • Stickstoffliebende Beikräuter wie: weisse Melde, Ackersenf, Gänsefuss, Knötericharten, Franzosenkraut etc. werden so kaum geweckt.
  • Die heranwachsende Kultur wirkt auf den ersten Blick etwas fader im Grün. Doch die Ertragsleistung hält mit.   

Oxidative Bodenbearbeitung:

  • Eingreifende Bodenbearbeitung sei es mit Pflug oder Grubber.
  • Die aufgelockerte Scholle längere Zeit offen lassen.
  • Beim pfluglosen Umbruch die Grasnarbe vertrocknen lassen.
  • Voll- flächiges, tiefes lockern des Bodens.
  • Eingreiffende und mehrere Bearbeitungen (Unkrautkuren) mineralisieren ein Überangebot an Stickstoff.
  • Stickstoff liebende Beikräuter wie: weisse Melde, Ackersenf, Gänsefuss, Knötericharten, Franzosenkraut etc. finden ideale Keimbedingingen.
  • Diesem Beikrautdruck Herr zu werden muss mit Striegel und Hackgeräten ausgeruckt werden.
  • Jeder dieser Hack- und Striegeldurchgänge löst weitere Mineralisierungsschübe und somit auch Verluste aus.
  • Die heranwachsende Kultur wirkt auf den ersten Blick satter und grüner.
  • Um die Ertragsleistung langfristig zu halten erfordert es mehr Input.

Fazit: Aufgelockerte Erde ist etwas unnatürliches. Von Natur aus ist der Boden eine rundkrümelige, abgesetzte befestigte bewachsene Oberfläche. Die Haut unserer Erde.


Reductiver Hirsenanbau

Goldhirse im zweiten Bearbeitungsschritt nach dichter Kleegraswiesennarbe etabliert. Sie sehen die Keimwelle lästiger Samenbeikräuter wie weisse Melde, Franzosenkraut, schwarzer Nachtschatten etc. ist ausgeblieben.

Goldhirse eignet sich sehr für den Frühjahrsumbruch, ein Weidegang anschliessend Dürrfutter. Umgebrochen am 17. Mai mit dem Geohobel zusätzlich zum Flachwalzennachläufer machten wir mit einer Flachwalze ein Walzendurchgang. In diesem Zeitabschnitt ist meistens wächsiges Wetter mit Regengüssen und warmen Tagen, genau die richtigen Bedingungen für eine gute Rotte. Die Hirsensaat erfolgte am 2. Juni dann folgte eine Güllengabe, das nächste wird die Ernte sein.

 

Reductiver Bohnenanbau

Es konnte auf eine mechanische Beikrautregulierung verzichtet werden. Die Blattmasse zeigt sich wiederholend schwächer nicht aber der Bohnenertrag.  

Oxidativer Hirsenanbau

Unterschied zum übrigen Feld: Eine zusätzliche Durchfahrt (Bearbeitung) und anschließend nicht gewalzt.

Ein anderes Feld da wurde im Frühjahr zwecks Maschinendemo ein Streifen bearbeitet zusätzliche Lüftung, Mineralisation und zeigt sich wie abgeschnitten mit diesem Bild.